Ein knappes Jahr lang hat er den Akku aufgeladen. Nach einem historischen Durchmarsch mit Preußen Münster und intensiven Jahren im Profifußball brauchte Sascha Hildmann Abstand. Er ging seiner großen Leidenschaft – dem Angeln – nach, kochte und reflektierte. Nun brennt das Feuer wieder lichterloh: Seit Ende März steht der 54-Jährige als Chef-Trainer an der Seitenlinie des SSV Jahn Regensburg.
Im großen Titelinterview der Jahnzeit sprach im Anfang Mai unser Coach über den puren Geruch von nassem Gras , die Parallelen zwischen dem unbarmherzigen Fußballgeschäft und der Natur und warum die Identifikation mit dem Verein das Fundament für eine erfolgreiche Zukunft ist.
Jahnzeit: Sascha, am 27. April 2025 endete deine überaus erfolgreiche, fünfjährige Ära in Münster. Fast genau ein Jahr später sitzt du nun hier in Regensburg im Trainerbüro des SSV Jahn. Wenn du morgens die Kabinentür aufschließt: Welcher spezifische Moment oder Geruch hat dir am meisten gefehlt, um zu wissen: Ich bin wieder in meinem Element?
Sascha Hildmann: Es ist dieses unvergleichliche Gefühl, in einer Mannschaft zu leben. Ein aktiver Teil davon zu sein, voranzugehen und die Jungs zu führen. Und dann natürlich dieser Moment, wenn du raus auf den Trainingsplatz oder ins Stadion gehst: Der Rasen, der so ganz speziell riecht. Frisch geschnittenes Gras, gerade wenn es ein bisschen regnet. Dann das Flutlicht, die Atmosphäre, das Stadion, unsere Fans. Das sind die Dinge, die mich sofort wieder total mitgenommen haben. Das hat mich direkt wieder infiziert und da habe ich gewusst: So, jetzt bin ich wieder da, wo ich hingehöre.
Jahnzeit: Der SSV Jahn steht historisch für eine ganz klare DNA: Intensität, hohes Anlaufen, Widerstandsfähigkeit. Inwiefern deckt sich das mit deiner eigenen sportlichen Philosophie?
Sascha Hildmann: Zu einhundert Prozent. Sonst hätte dieser Schritt für beide Seiten keinen Sinn gemacht. Dieses laufintensive Spiel, dieses Mentalitätsspiel – das liegt mir sehr, das ist genau meine Welt des Fußballs. Darauf wollen wir gemeinsam aufbauen. Wir haben im Vorfeld die Philosophien übereinandergelegt und sofort gemerkt: Das passt zusammen.
Jahnzeit: Die 3. Liga ist oft extrem physisch und geprägt von vielen Umschaltmomenten. Willst du dieses Chaos auf dem Platz durch Ballbesitz beruhigen oder diese Wildheit kontrolliert für dich nutzen?
Sascha Hildmann: Sowohl als auch. Natürlich strebe ich danach, einen guten und kontrollierten Ballbesitzfußball spielen zu lassen. Aber der Kern ist: Wenn wir den Ball verlieren, will ich ihn schnellstmöglich zurückerobern. Ein aggressives Gegenpressing. Ich will, dass wir den Gegner so unter Druck setzen, dass kein ballführender Spieler wirklich Ruhe am Ball hat. Das Risiko hast du immer, wenn du diesen mutigen Fußball spielen lässt. Aber damit kann ich gut leben. Ich stehe lieber an der Seitenlinie und sehe, wie wir ein Spiel mit 4:3 gewinnen, als ein ermauertes 1:0.
Wer mit dem 54-Jährigen spricht, spürt sofort: Hier sitzt kein Theoretiker, sondern ein echter Fußball-Arbeiter. Hildmann fordert Mut und Leidenschaft, aber auch bedingungslose Disziplin. Der sportliche Erfolg beginnt für den neuen Chef-Trainer nicht erst auf dem Taktikboard, sondern bereits beim Aufräumen der Kabine:
„Ich habe in meiner eigenen beruflichen Laufbahn gelernt: Eine Baustelle wird immer sauber hinterlassen. So wie ich sie vorgefunden habe, verlasse ich sie auch wieder. Genau so muss ein Fußballer denken.“
Der 54-Jährige nahm sich neben den laufenden Planungen für die kommende Saison ausführlich Zeit, um im weiteren Verlauf des Gesprächs über ehrliche Handwerker-Tugenden, die Rückkehr des instinktiven Straßenfußballers, seinen Ausgleich in der Natur und sein ganz persönliches Bild des „Jahn-Fußballs“ der Zukunft zu sprechen.
Neugierig geworden? Das komplette Interview mit unserem Chef-Trainer Sascha Hildmann lest ihr ab sofort in der neuen Ausgabe der Jahnzeit



















































































































































