Am kommenden Spieltag empfängt der SSV Jahn den TSV Havelse im Jahnstadion Regensburg. Auf dem Papier scheint die Ausgangslage beim Duell gegen den Tabellenvorletzten klar, doch die Niedersachsen reisen mit Rückenwind in die Oberpfalz. Was die Mannschaft von Trainer Samir Ferchichi aktuell so gefährlich macht und warum die bloße Tabellensituation trügen kann, lest Ihr hier im Gegnercheck.
Viel Moral & Comeback-Qualitäten
Totgesagte leben länger – dieses oft bemühte Sprichwort trifft derzeit auf keinen Drittligisten besser zu als auf den TSV Havelse. Am vergangenen Spieltag drehte das Team gegen Viktoria Köln in der Schlussphase einen 0:2-Rückstand noch in einen 3:2-Sieg. Ein statistisches Kuriosum: Bei einem Torschussverhältnis von 11:29 rettete Torhüter Norman Quindt seine Mannschaft mit einem ligaweiten Saisonrekord von 13 Paraden im Spiel. Die verrückte Wende zeigte vor allem eines: Die Elf von Samir Ferchichi gibt nicht auf. Beeindruckende 13 ihrer insgesamt 23 Punkte sowie drei ihrer fünf Saisonsiege holte Havelse nach einem Rückstand. Eine Comeback-Qualität, die für die Jahnelf über 90 Minuten höchste Konzentration erfordert.
Die schwere Hypothek des Saisonstarts
Trotz der jüngsten Nackenschläge für die Konkurrenz bleibt die tabellarische Realität für die Gäste hart: Zehn Punkte trennen die Niedersachsen bei noch neun verbleibenden Spielen vom rettenden Ufer. Die größte Hypothek ist dabei der katastrophale Saisonstart mit 14 sieglosen Partien in Serie. Blendet man diese Anfangsphase aus und betrachtet nur die Tabelle ab dem 15. Spieltag, stünde der TSV Havelse auf einem grundsoliden 13. Platz. Die aktuelle Ausbeute von 23 Zählern stellt zudem bereits jetzt die komplette Punktezahl aus Havelses letztem Drittliga-Abenteuer (Saison 2021/22) ein.
Spektakel garantiert: Vorne treffsicher, hinten anfällig
Ein Blick auf das Torverhältnis offenbart das Grundproblem der Gäste. Mit 41 erzielten Treffern stellt Havelse eine absolut drittligataugliche Offensive, die sogar mehr Tore erzielt hat als der SSV Jahn. Vor allem in der Schlussphase brennen die Niedersachsen regelmäßig ein echtes Feuerwerk ab: 15 Tore in der Schlussviertelstunde und sieben Treffer in der Nachspielzeit (Ligabestwert) sprechen für enorme Fitness und Moral. Doch diese offensive Durchschlagskraft wird von einer defensiven Anfälligkeit überschattet. 64 Gegentore nach 29 Spielen bedeuten einen Schnitt von mehr als zwei Gegentreffern pro Partie – in der Liga-Historie wird dieser negative Wert aktuell nur vom 1. FC Schweinfurt überboten.
Besonderes Wiedersehen: Der Faktor Posselt
Das Duell am Wochenende schreibt zudem eine besondere personelle Geschichte. Im Hinspiel – der überhaupt ersten Pflichtspiel-Begegnung beider Vereine in der 3. Liga – brachte ein gewisser John Posselt den TSV Havelse noch in Führung, ehe Noel Eichinger und Nicolas Oliveira die Partie in einen 2:1-Sieg für Regensburg drehten. Posselt war in der Hinrunde als Paderborn-Leihgabe der herausstechende Akteur der Niedersachsen und ist kurioserweise mit sechs Treffern bis heute Havelses bester Torschütze. In der Winterpause beendete der SC Paderborn die Leihe jedoch und transferierte den Angreifer an die Donau. Beim SSV Jahn sucht der Neu-Regensburger zwar noch nach seinem Rhythmus (bislang ein Startelf-Einsatz und ein Tor im Kalenderjahr 2026), doch das Aufeinandertreffen mit seinen ehemaligen Kollegen dürfte für Posselt eine ganz besondere Motivation sein.

















































































































































































