Im Stadionmagazin "Jahnzeit" stellen wir Euch die Heimspielgegner des SSV Jahn vor. Zum 28. Spieltag reist der VfL Osnabrück ins Jahnstadion Regensburg. Zur Einstimmung lest Ihr hier ein Interview mit Direktor Sport Joe Enochs, der zwischen Sommer 2023 und Herbst 2024 eineinhalb Jahre als Trainer beim SSV Jahn an der Seitenlinie stand.
Jahnzeit: Joe, nach deiner Zeit in Regensburg ist das nun deine Rückkehr als Funktionär an deine alte Wirkungsstätte. Mit welchen Gefühlen reist Du zum SSV Jahn?
Joe Enochs: Das weckt definitiv schöne Gefühle. Meine ganze Familie hat Regensburg sehr gut in Erinnerung. Meine Zeit dort war zwar kurz, aber enorm intensiv und überwiegend schön. Die Vorfreude auf das Spiel und auf das Wiedersehen mit vielen bekannten Gesichtern im Jahnstadion Regensburg ist bereits jetzt absolut vorhanden.
Du bist nun seit Mitte Juni 2025 beim VfL Osnabrück als Direktor Fußball tätig. Inwiefern hat sich dein Aufgabengebiet verändert? Welche Dinge sind neu dazu gekommen und was ist vielleicht dem Trainerjob noch sehr ähnlich?
Ähnlich geblieben ist die Kaderzusammenstellung, in die man als Trainer ja ebenfalls stark involviert ist. Komplett verändert hat sich jedoch mein täglicher Arbeitsplatz: Ich sitze nun viel mehr am Schreibtisch, in Meetings und fokussiere mich auf organisatorische und operativ-strategische Themen. Aus dem sportlichen Tagesgeschäft habe ich mich ganz bewusst zurückgezogen. Ich bin zwar beim Training vor Ort, mische mich aber nicht ein. Trainingsinhalte, Aufstellungen oder Kaderbenennung liegen voll und ganz in der Verantwortung unseres Trainers. Ich habe großes Vertrauen in ihn. Wenn er meine Meinung zu bestimmten Entscheidungen oder zum Gegner hören möchte, stehe ich natürlich als Sparringspartner bereit.
Nach dem knappen Klassenerhalt im Vorjahr spielt der VfL Osnabrück aktuell eine sehr stabile Rückrunde. An welchen konkreten Spielerprofilen im Kader habt ihr im Sommer angesetzt, um diese sportliche Entwicklung einzuleiten?
Wir haben den Fokus ganz bewusst auf eine starke Achse gelegt. Spieler, von denen wir überzeugt waren, dass sie in der 3. Liga als Anker funktionieren und ihre Nebenleute besser machen. Dazu gehören Jungs wie Jannik Müller, Niklas Wiemann oder ein Bjarke Jacobsen im Zentrum. Vorne haben wir mit Robin Meißner und Lars Kehl absolute Unterschiedsspieler. Um diese Achse herum haben wir gezielt nach hungrigen Jungs gesucht, die bei uns den nächsten Entwicklungsschritt gehen wollen. Das sind auch Spieler aus der Regionalliga. Ein weiterer, ganz elementarer Baustein unserer Philosophie: Wir haben aktuell fünf Eigengewächse fest in den Profikader integriert, von denen vier bereits sehr viel Spielzeit sammeln konnten.
Die Defensive des VfL agiert derzeit äußerst gefestigt, gleichzeitig hat die Offensive deutlich an Effektivität gewonnen. Wie genau spiegelt diese Balance die spielerische Identität wider, die du gemeinsam mit Trainer Timo Schultz implementieren willst?
Die defensive Stabilität haben wir aus der vergangenen Rückrunde als absolute Basis übernommen. Wir haben gelernt: Ohne eine gefestigte Defensive bekommst du in dieser Liga massive Probleme. Darauf aufbauend haben wir unsere Spielidee weiterentwickelt, die wir anhand verschiedener KPI’s messen können. Erreichen wir hier unsere definierten Ziele, erhöhen wir die Wahrscheinlichkeit erfolgreich zu sein. Da sind wir auf einem sehr guten Weg.
Die 3. Liga verlangt den Mannschaften physisch enorm viel ab. Nach welchen Kriterien suchst du als Direktor Fußball nach Spielern, die sowohl spielerische Lösungen anbieten als auch die nötige Resilienz für diese Liga mitbringen?
Die jüngsten Spiele haben erneut bewiesen, welch enormen Vorteil Mannschaften mit einer starken Physis haben. Wenn man beispielsweise gegen Teams wie Rot-Weiss Essen antritt, die großgewachsen sind und zu jedem Zeitpunkt lange Einwürfe wie Standardsituationen in den Strafraum bringen können, ist das extrem gefährlich. Dagegen musst du physisch schlichtweg in der Lage sein, robust gegenzuhalten.
Du warst lange Zeit ein Trainer, der aktiv an der Seitenlinie gecoacht hat. Wie erlebst du nun die 90 Minuten auf der Tribüne, wenn du keinen direkten Einfluss mehr auf das taktische Geschehen auf dem Rasen nehmen kannst?
Es war eine bewusste Entscheidung, das Spiel von der Tribüne aus zu verfolgen und es basiert auf tiefem Vertrauen in Timo und sein Trainerteam. Von oben habe ich einen analytischeren Blickwinkel. Ich achte auf taktische Details, etwa wie oft der gegnerische Linksverteidiger einrückt oder ob Spielverlagerungen Sinn ergeben. Nach der Halbzeit treffe ich mich kurz am Spielfeldrand mit Timo, um diese Eindrücke zu spiegeln. Den Gang in die Kabine spare ich mir mittlerweile komplett. Zu Beginn, beim ersten Heimspiel, hatte ich noch den Impuls, reinzugehen und zur Mannschaft zu sprechen. Aber ich habe schnell gemerkt: Das ist nicht mehr meine Aufgabe. Mittlerweile fällt es mir überhaupt nicht mehr schwer, oben zu sitzen und das Spiel von dort zu beobachten.
Wie gelingt dir diese Balance zwischen langfristiger strategischer Planung und dem wöchentlichen Druck des Spieltags?
Unter anderem durch eine klare räumliche und inhaltliche Trennung. Ich reise oft separat zu den Auswärtsspielen an. Das gibt mir die Möglichkeit, unterwegs Anrufe zu erledigen oder mir auf dem Weg noch andere Spiele – etwa in der Regionalliga – anzuschauen, um Spieler zu sichten. Das Trainerteam und die Mannschaft haben so vor der Partie ihren Fokus für sich, und ich habe die Kapazitäten, parallel mein Tagesgeschäft und Scouting voranzutreiben. Das ist zwar manchmal anstrengend, aber für mich und den Verein aktuell der wertvollste Weg.
Trainer Timo Schultz hat die sportlichen Ambitionen der Mannschaft zuletzt klar formuliert. Wie moderierst du als sportlicher Verantwortlicher die gestiegene Erwartungshaltung im Umfeld, um den Fokus der Mannschaft auf das Wesentliche aufrechtzuerhalten?
Ich habe aus meiner eigenen Vergangenheit gelernt. Gerade aus meiner Zeit in Regensburg, wo ich im Nachhinein betrachtet in Sachen Zielsetzung vielleicht etwas zu defensiv moderiert habe. Deshalb fand ich es von Timo erfrischend, wie er offensiv mit dem Thema Aufstieg umgegangen ist. Wir haben uns eine gute Ausgangssituation erarbeitet - warum sollten wir uns also verstecken? Wenn es dieses Jahr nicht klappt, dann greifen wir nächste Saison an. Paradoxerweise nimmt genau diese Klarheit den Druck von der Mannschaft, da die ständigen Nachfragen der Öffentlichkeit damit beantwortet sind. Das bedeutet aber keineswegs, dass wir auch nur einen Gegner unterschätzen. Jeder in dieser Liga weiß, wie gefährlich jeder Gegner sein kann, wenn man das eigene Leistungsvermögen nicht erreicht.
Dein erstes Aufeinandertreffen mit dem SSV Jahn konntest Du erfolgreich gestalten. Mit 0:2 unterlag die Jahnelf an der Bremer Brücke. Wie denkst Du an diese Begegnung zurück?
Es war das erwartet enge Spiel auf absoluter Augenhöhe. Der Jahn steckte damals in einer schwierigen Lage, ist an der Bremer Brücke aber dennoch sehr selbstbewusst aufgetreten und hatte direkt in der Anfangsphase zwei richtig gute Torchancen. Wir waren an diesem Tag die glücklichere Mannschaft, aber es waren hart umkämpfte drei Punkte. Genau dieses Wissen nehmen wir jetzt mit ins Rückspiel: Das war kein Spaziergang.
Wie ordnest Du die Entwicklung des SSV Jahn seither ein und worauf wird es im Rückspiel ankommen?
Der Jahn hat sich in den letzten Wochen gefestigt. Man sieht deutlich, dass die Verpflichtungen im Winter gefruchtet haben, auch Spieler wie John Posselt oder Malte Karbstein haben sofort geholfen. Dazu kommen immens wichtige Rückkehrer: Ein Bene Saller ist wieder komplett fit, Christian Kühlwetter ist nach seiner Sperre wieder dabei, auch ein Oscar Schönfelder spielt eine wichtige Rolle. Sobald eine Mannschaft mit dieser individuellen Qualität ihre Abläufe findet, wird sie extrem gefährlich. Wir erwarten ein unheimlich schweres Spiel.















































































































































