Hatte es am Vortag noch rasante Zweikämpfe im Pokalspiel der Profis und lautstarke Konfrontation zwischen den Anhängerschaften von TSV 1860 München und SSV Jahn Regensburg gegeben, so sind seit dem Nachmittag des 29. März beide Vereine in Trauer vereint. Karsten Wettberg, bei beiden Vereinen einer der beliebtesten und auch erfolgreichsten Trainer, ist an diesem Sonntag im Alter von 84 Jahren verstorben.
Mit den „Löwen“ und dem SSV Jahn trauern freilich viele Fußballfreunde in ganz Bayern und darüber hinaus, zahllose weitere Vereine, für die der bis weit in seine Siebziger aktive Fußball-Lehrer in seiner mehr als 40-jährigen Trainerkarriere Verantwortung trug. Wer kann nennen all deren Namen, kennt deren Farben!? Die Zahl der Vereine und Erfolge des Karsten Wettberg ist wahrlich Legion. Über 50 Titel (Meisterschaften, Pokalsiege, Hallencups, etc.) sammelte der am 10. November 1941 in der brandenburgischen Kleinstadt Friesack in einem evangelischen Pfarrhaus geborene Wettberg, der freilich längst zum Ur-Bayern geworden war, seit den 1970er Jahren. Am bekanntesten wurde Karsten dabei sicher als „Löwen-Dompteur“ und „König von Giesing“, daneben führte er aber auch den MTV Ingolstadt, die SpVgg Landshut und die SpVgg Unterhaching zur Bayernliga-Meisterschaft (1860 und Unterhaching in der Folge auch in die 2. Bundesliga) – am erfolgreichsten war er aber wohl beim SSV Jahn!
Hier gelang bei dessen zweiter Amtszeit an der Prüfeninger Straße innerhalb eines guten Jahres, von Mai 1999 bis Juni 2000, sogar ein Durchmarsch von der damals fünftklassigen Landesliga in die zweigleisige Regionalliga als dritter Spielklasse. Mindestens genauso hoch einzuschätzen ist aber wohl der Erfolg, in der Saison 2000/01 den Klassenerhalt dort geschafft zu haben. Aber auch nach seinem Abschied vom SSV Jahn blieb er nicht nur den Rot-Weißen stets sehr zugetan, sondern neben seiner Tätigkeit als Vizepräsident des TSV 1860 München fußballerisch weiter in Ostbayern aktiv – und erfolgreich. Freier TuS Regensburg (2004-2006), SV Seligenporten, mit dem ihm 2012 nochmals eine Bayernliga-Meisterschaft gelang, ATSV Kelheim, FC Mainburg sowie 2017/18 der damals ambitionierte Bayernliga-Verein SV Donaustauf waren Wettbergs letzte Stationen als Fußballcoach.
Dabei war der hochrangige Postbeamte und Gewerkschafter stets auch immer dem wahren Amateurgeist verhaftet, was er nicht nur selbst vorbildlich lebte, sondern auch an seinen Leistungsträgern besonders schätzte. Auch das Allgemeinwohl war dem Sozialdemokraten ein wichtiges Anliegen, sei es nun als langjähriger Kreistagsabgeordneter in Kelheim (2002-2020) oder als Aktivposten bei der Wohltätigkeitsmannschaft des „FC Sternstunden“.
Ob bei der SpVgg Landshut, dem FC Augsburg, der SG Post/Süd oder dem SSV Jahn war der Sandelzhauser Michael Fersch so ein typischer und als Kapitän der erfolgreichen Jahnelf um die Jahrhundertwende natürlich besonders mit des Trainers Regensburger Zeit zu verbindendes Alter Ego und verlängerter Arm auf dem Platz. So manches Mal war der liebe „Michi“ mit seinem alten Lehrmeister auch bei hisTORischen Abenden des Jahn Archivs zu Gast. Besonders wird der Abend am 29. Juli 2025 allen Anwesenden in Erinnerung bleiben, als Karsten Wettberg zusammen mit seinem Co-Trainer aus Regensburger Zeit, Jürgen Preß, und seinen ehemaligen Leistungsträgern Michael Fersch und Dr. Bernd Meyer sowie damaligen Mitarbeitern und Funktionären an den seinerzeit ein Vierteljahrhundert zurückliegenden Regionalliga-Aufstieg erinnerte. Wir waren alle sehr dankbar für dieses Treffen, weil wir fühlten, dass es wohl das letzte in dieser Zusammensetzung gewesen war.
Nun ist Karsten Wettberg am 29. März 2026 in die Ewigkeit vorausgegangen. Der SSV Jahn Regensburg trauert mit allen Angehörigen und wird seinem ehemaligen Trainer stets ehrendes Andenken bewahren.

















































































































































