Sieben Jahre lang war Christoph Jank das Teil des Nachwuchses beim SSV Jahn Regensburg. Er formte Talente, erlebte den infrastrukturellen Wandel der Jahnschmiede und reifte dabei auch selbst als Mensch. Vor seinem Abschied Richtung Heimat Wien spricht der 50-Jährige über sein Leben als sportlicher Mentor, die Kunst des Loslassens und eine prägende Reise nach London, die seine Vision von Nachwuchsarbeit für immer veränderte.
Das Jahnzeit-Interview mit Christoph Jank
Jahnzeit: Christoph, sieben Jahre Jahnschmiede sind eine halbe Ewigkeit im heutigen Fußball. Wenn du heute mit dem Christoph von 2017 am Bismarckplatz einen Kaffee trinken würdest – worüber würde der "Wiener Christoph" von damals am meisten den Kopf schütteln, wenn du ihm erzählst, was er hier alles erleben wird?
Christoph Jank: Dass ich überhaupt zum Jahn gekommen bin und dass ich tatsächlich sieben Jahre geblieben bin! (lacht) Als ich hier gestartet bin, hätte ich nicht gedacht, dass das so eine lange Zeit wird. Aber die Stadt war gleich am Anfang für mich herausragend, das ganze Flair. Ich kann mich noch erinnern: Nach meinem ersten Gespräch hat mich unser NLZ-Leiter, Christian Martin, kurz am Bismarckplatz abgesetzt. Ich hatte noch Zeit, bis mein Zug nach Wien fuhr, bin durch die Stadt geschlendert und habe mir gedacht: Das ist richtig fein hier. Die Donau, alles schön kompakt und sauber. Ich war damals gerade beim Abschluss meiner UEFA Pro-Lizenz in Österreich, es wurde beim Jahn gerade ausgerufen, dass man die Jahnschmiede professionalisieren will. Es hat sich von Tag eins an richtig gut angefühlt.
Du warst damals der erste hauptamtliche Trainer im Nachwuchs. Wenn man so ein Projekt als Pionier begleitet: Wie sehr verschmilzt die eigene Persönlichkeit im Laufe der Jahre mit dem Verein und seinen Strukturen?
Man wächst da unweigerlich eng zusammen. Ich hatte anfangs schon erwartet, dass die Infrastruktur weiter wäre oder sich auf dem Level von Rapid befindet. Es gab ja das Funktionsgebäude der Profis noch gar nicht. Aber es hat mich sehr gefreut, diese Pionierarbeit als erster Hauptamtlicher mitzumachen. Ein Spruch von Christian Keller war ja immer: Zuerst in die Steine investieren und dann in die Beine. Genau in diese Richtung ging es. Der neue Kunstrasen, der eingezäunte Einser-Platz, das Gym für die Jungs. Es ist viel in den Verein reingesteckt worden. Und jetzt kommt mit dem neuen Areal in Barbing/Rosenhof der nächste ganz wichtige Schritt. Das wird der Jahnschmiede nochmal einen riesigen Boost geben.
Wenn wir auf deine Rolle als Ausbilder schauen: Der Sprung aus der Jugend in deine U21 ist der entscheidende Flaschenhals. Plötzlich geht es gegen gestandene Männer. Wie formst du hochveranlagte, aber vielleicht noch etwas naive Jungs zu robusten Persönlichkeiten auf dem Platz?
Der U17- oder U19-Fußball ist technisch vielleicht sauberer, weniger fehleranfällig. Die U21 ist dann Herrenfußball. Eine ganz andere Intensität. Unsere jungen Spieler sind anfangs in den Zweikämpfen oft noch naiv. Wir schauen zum Beispiel sehr viel auf den Ball im Zweikampf. Der erfahrene Gegner hingegen schaut bei freien Bällen auf den Körper unseres Spielers. Dann gibt es einmal einen Check und der Gegner hat den Ball. Das bedarf einer gewissen Cleverness, die man den Jungs erst vorleben muss. Dazu gehört auch mal der verbale Austausch untereinander, den Gegner auf mentaler Ebene zu beeinflussen – natürlich im legalen Rahmen. Ich habe lange genug selbst gespielt, ich weiß, was auf dem Platz abseits des Balles passiert. Diese Abgebrühtheit versuche ich ihnen auf ihrem Weg mitzugeben.
Gleichzeitig hast du es in der Kabine heute mit der Generation Z zu tun. Die Aufmerksamkeitsspanne wird kürzer, das Handy ist immer dabei. Wie musstest du dich als Mensch und Trainer adaptieren, um diesen Zugang nicht zu verlieren?
Ich denke schon, dass ich trotz meines hohen Alters halbwegs jung geblieben bin! (lacht) Das Training am Platz ist nicht das Problem. Wir verpacken das implizite Lernen in Übungen, die Spaß machen, aber einen harten Kern haben, der sie weiterbringt. Schwieriger ist das Drumherum. Es wird mehr aufs Handy geschaut, klar. Aber ich bin nicht der Typ, der alles verbietet. Ich sage den Jungs: Schaut drauf, aber hinterfragt euch selbst. Bringt es euch was vor dem Spiel? Hemmt es euch oder hilft es euch? Der eine braucht seine Musik und seinen Fokus, der andere braucht die Ablenkung. Jeder hat einen anderen Zugang. Das muss man als Trainer wissen und respektieren.
Ein Trainer im Nachwuchs ist zwangsläufig auch jemand, der Träume beenden muss. Wie gehst du ganz persönlich mit diesen Momenten um?
Das sind Gespräche, die nicht so einfach sind und die mich jedes Mal wieder ganz persönlich treffen. Im Nachwuchsbereich ist das extrem emotional, da sitzen teilweise noch die Eltern mit im Raum, für die bricht da auch eine Welt zusammen. In der U21 wird es etwas rationaler, weil die Spieler durch Feedback-Gespräche das ganze Jahr über wissen, wo sie stehen. Aber es ist unfassbar schade, wenn wir einen Weg nicht weitergehen. Da ist die Enttäuschung bei den Jungs logischerweise riesig. Das tut auch mir als Trainer immer wieder weh.
Wie sehr verfolgt man über die Jahre hinweg die verschiedenen Werdegänge seiner ehemaligen Schützlinge?
Da fällt mir sofort Elias Dimmelmeier ein. Er war damals Keeper bei uns. Johannes Frisch ist ja wie eine wandelnde Bibliothek, der weiß alles über die Jungs. Er hat mir erzählt, dass Elias studiert und parallel als Flugbegleiter arbeitet. Da habe ich sofort gesagt: Ich bin gespannt, ob ich ihn mal im Flieger treffe, wenn ich auf die Kanaren fliege. So etwas freut mich enorm zu sehen, wie die Jungs ihren Weg im Leben finden.
Die ostbayerische Mentalität ist speziell. Hast du dich hier in deiner Zeit auch persönlich weiterentwickelt?
Grantler haben wir auch in Wien. Ich finde die Leute hier wirklich richtig ´gschmeidig´. Ich habe diese sieben Jahre hier total genossen, die Zeit ist unglaublich schnell verflogen. Was ich gelernt habe und was ein riesiger Entwicklungsschritt für mich war: Das Verlieren nicht mehr so nah an mich ranzulassen. Als Spieler war das bei mir eine Katastrophe. Wenn wir verloren haben, konnte man drei, vier Tage nicht mit mir reden. Jetzt bin ich in einem Bereich, wo ich mich ganz gut abnabeln kann. Ich versuche den Spielern immer mitzuteilen: Es gibt herausfordernde Phasen, aber der Fußball ist so schnelllebig. Es geht immer weiter.
In wenigen Wochen räumst du deinen Schreibtisch am Kaulbachweg aus. Was wirst du am meisten vermissen – und worauf freust du dich?
Samstag und Sonntag einmal frei zu haben! Das wird die erste Phase sein. Ich habe mein ganzes Leben, als Spieler und Trainer, an Wochenenden immer ein Spiel gehabt. Das bin ich überzeugt, werde ich einmal genießen. Radfahren gehen, Sport treiben, ohne Gedanken an Fußball. Berufliche Pläne habe ich noch gar keine, das lasse ich völlig offen auf mich zukommen.
Wenn du dir für die Zukunft der Jahnschmiede etwas wünschen dürftest – wie sähe deine Idealvorstellung aus?
Mich würde es riesig freuen, wenn pro Jahr ein Spieler in der Profimannschaft aufschlägt und Stammspieler wird. Ich hatte da vor Jahren ein absolutes Schlüsselerlebnis. Ich war in London bei Tottenham Hotspur und saß auf der Tribüne. Da hat ein Spieler den Ball bekommen und einen ganz einfachen Pass auf fünf Meter gespielt. Einen absoluten Safe-Pass. Und das ganze Stadion hat applaudiert! Ich habe meinen Sitznachbarn gefragt: Warum jubelt ihr so, was ist da los? Er sagte: ‚Wir sind so stolz auf diesen Jungen, weil er aus unserer eigenen Akademie kommt.‘ Wie die Fans diesen Jungen unterstützt haben, nicht auf den ersten Fehlpass geschaut, sondern ihn sofort mitgetragen haben – das war für mich ein unglaubliches Gefühl. Das hat sich in mir manifestiert. Wenn das beim Jahn in Zukunft noch öfter genau so funktioniert, das wäre herausragend schön.



















































































































































