Jahnzeit: Eine entscheidende Schnittstelle dafür ist die Gremienarbeit. Mit Günter Hödl wurde ein Nachfolger für Oliver Hein gefunden. Wie bewertest du die Neuausrichtung im Vorstand?
Hausner: Mit Günter Hödl haben wir einen Vorstandsvorsitzenden, der ideal zum SSV Jahn passt. Als ehemaliger Spieler ist er eine absolute Identifikationsfigur, der genau weiß, was diesen Club im Kern ausmacht und erfolgreich gemacht hat. Das gibt uns große Stabilität. Die personellen Entwicklungen der Vergangenheit haben uns in den Gremien gefordert, aber wir haben daraus bewährte, professionelle Prozesse abgeleitet. Begleitend gab es einen fast zweijährigen Strukturprozess, der nun zu einem Ergebnis gekommen ist. Diese Strukturreform sorgt für eine noch stärkere institutionelle Verzahnung zwischen Verein und Kapitalgesellschaft, sodass wir zukunftsweisende Entscheidungen aus einer starken, gemeinsamen Überzeugung heraus treffen.
Jahnzeit: Blicken wir auf den Sport. Mit Dr. Alexander Schmalhofer wurde im vergangenen November ein konzeptbasierter Sportdirektor installiert. Wie bewertest du seine ersten rund 250 Tage im Amt, in denen er aktuell maßgeblich den Kader formt?
Hausner: Alex ist hier hervorragend angekommen und genießt durch seine Art höchste Akzeptanz. Er hat sich sehr schnell den strategischen Eckpfeiler angenommen – sei es die Weiterentwicklung unserer Spielphilosophie oder die klare Strukturierung des Scoutings. Gleichzeitig ist der Posten des Sportdirektors hochgradig vom operativen Tagesgeschäft getrieben. Auch diese kurzfristigen, akuten Entscheidungen auf dem Transfermarkt und rund um die Jahnelf managt er mit hohem Einsatz. Zudem agiert als guter Sparringspartner für das Trainerteam.
Eine kompromisslose Mentalität ist ein nicht verhandelbares Grundprinzip der Jahn Spielidee. Wir wollen den Ball aktiv jagen und intensiv verteidigen. Wenn die Fans spüren, dass jeder Spieler auf dem Platz sein letztes Korn für den Zweikampf gibt, schwappt diese Energie auf die Tribüne über. Im Idealfall entsteht eine Vorleistungs-Kultur: Die Mannschaft will die Fans mitreißen, und die Fans feuern so bedingungslos an, dass sich die Spieler auf dem Rasen zerreißen.
Jahnzeit: Du sprichst das Scouting an, hier geht ihr mittlerweile sehr innovative Wege. Wie essentiell ist dieser technologische Ansatz, um in einer finanzstarken 3. Liga clevere Nischen zu finden?
Hausner: Das ist für uns existenziell. Unsere Maxime lautet: Wir können uns den Erfolg nicht erkaufen, wir müssen ihn uns erarbeiten. Das gelingt nur, wenn wir klarer und präziser agieren als viele Mitbewerber. Wir nutzen mittlerweile systematisch Daten und auch Künstliche Intelligenz, um exakt die Spielerprofile zu filtern, die zu unserer Idee und in diese Region passen. Aber neben allen Daten bleibt das Live-Scouting unerlässlich: Wir suchen starke Spielerpersönlichkeiten, die mit ihrer Art zum SSV Jahn passen. Die Mischung aus technologischer Präzision, klaren Profilen und menschlicher Einschätzung ist unser Schlüssel, um ein unverwüstliches Kollektiv zu formen.
Jahnzeit: Dieses Kollektiv wird von Chef-Trainer Sascha Hildmann geführt, der noch vor Ablauf der vergangenen Saison verpflichtet wurde. Inwiefern hat er euer konkretes Anforderungsprofil erfüllt?
Hausner: Sascha ist die passgenaue Ergänzung, die wir auf dieser Position gebraucht haben. Er erzeugt in der täglichen Arbeit auf dem Platz genau die Energie, die notwendig ist, um unsere taktische Idee mit Leben zu füllen. Er agiert sehr pragmatisch, ist lösungsorientiert und schaut immer, was im aktuellen Setting das Naheliegendste ist, um unsere Ziele zu erreichen. Gemeinsam mit seinem Trainerteam formt er eine Einheit, die exakt das auf den Rasen bringt, was wir uns als Club vornehmen.
Jahnzeit: Für die Jahnfans ist diese Mentalität, der hundertprozentige Einsatz, das höchste Gut. Wie elementar ist diese Symbiose zwischen Rasen und Rängen für den Erfolg?
Hausner: Eine kompromisslose Mentalität ist ein nicht verhandelbares Grundprinzip der Jahn Spielidee. Wir wollen den Ball aktiv jagen und intensiv verteidigen. Wenn die Fans spüren, dass jeder Spieler auf dem Platz sein letztes Korn für den Zweikampf gibt, schwappt diese Energie auf die Tribüne über. Im Idealfall entsteht eine Vorleistungs-Kultur: Die Mannschaft will die Fans mitreißen, und die Fans feuern so bedingungslos an, dass sich die Spieler auf dem Rasen zerreißen. Das ist kein Zustand, den man per Pressemitteilung ausruft, sondern ein täglicher Prozess in den Details.
Jahnzeit: Abschließend ein Blick auf das Fundament. Du sprachst Ende 2025 von einer "strategischen und ökonomischen Stärkung". Wie manifestiert sich diese wirtschaftliche und infrastrukturelle Substanz nun im künftigen Fortschritt?
Hausner: Wir sind wirtschaftlich absolut gesund und jederzeit handlungsfähig – und das in einer 3. Liga, die viele Clubs durch strukturelle Verluste finanziell enorm stresst. Aus dieser Solidität heraus erarbeiten wir uns gezielt Fortschritte, wie wir es uns im diesjährigen Jahresmotto “Fortschritt erarbeiten” vorgenommen haben. Das reicht von der erwähnten KI-Offensive, die uns auch in der Verwaltung und Vermarktung neue Freiräume für die Clubentwicklung schafft, bis hin zu unserem ersten Nachhaltigkeitsbericht, den wir in diesem Jahr veröffentlichen. Das sind essenzielle Meilensteine unserer Professionalisierung.
Viele dieser Fortschritte sind aktuell im Hintergrund passiert. Das sind auf den ersten Blick vielleicht kleine, strukturelle Schritte, bei denen man das tatsächliche Potenzial erst auf den zweiten Blick erkennt bzw. im Zeitverlauf erlebt.
Jahnzeit: Der größte Meilenstein dürfte jedoch der Neubau des Leistungszentrums sein. Wie ist hier der aktuelle Stand?
Hausner: Wir biegen in der Bauleitplanung auf die Zielgerade ein. Wir erwarten im August oder September den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan und haben damit Baurecht. Wenn wir die entsprechenden Entscheidungen in den Gremien zeitnah und mit der erforderlichen Geschlossenheit treffen, kann die Realisierung noch in diesem Jahr beginnen. Es ist die größte Infrastrukturentscheidung der Clubhistorie. Sie legt den physischen Grundstein für jahrzehntelange Nachwuchsförderung beim SSV Jahn.
Jahnzeit: Philipp, eine letzte Frage: Wohin soll die Reise des SSV Jahn Regensburg als Organisation in den kommenden Jahren gehen?
Hausner: Unmittelbar wollen wir eine ambitionierte, mutige und positive Drittliga-Saison 2026/27 spielen. Langfristig gilt es, unserer klaren Clubvision treu zu bleiben. Unser Jahresmotto lautet „Fortschritt erarbeiten“. Viele dieser Fortschritte sind aktuell im Hintergrund passiert. Das sind auf den ersten Blick vielleicht kleine, strukturelle Schritte, bei denen man das tatsächliche Potenzial erst auf den zweiten Blick erkennt bzw. im Zeitverlauf erlebt. Daher bin ich fest davon überzeugt: Mit etwas zeitlichem Abstand werden wir genau spüren, welch Fundament wir in dieser Phase aufgebaut haben.
Jahnzeit: Philipp, vielen Dank für die tiefen Einblicke und auf eine erfolgreiche Spielzeit.