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26.03.2020 Auf einen Blick Der Jahn Prof. Dr. Wolfgang Otto (Jahn Archivar)

"Ein letztes Bravo"

"Lulu" Wagenpfeil gestorben

In diesen Tagen erreichte den SSV Jahn die traurige Nachricht, dass am zurückliegenden Montag mit Ludwig „Lulu“ Wagenpfeil ein gleichermaßen verdienter wie überaus beliebter ehemaliger Jahn Spieler im Alter von 87 Jahren verstorben ist. Jahn Archivar Prof. Dr. Wolfgang Otto widmet Wagenpfeil im Namen des SSV Jahn einen emotionalen Nachruf.

 

Es ist eine aufwühlende und beanspruchende Ära die unsere Gesellschaft derzeit erlebt. Die Fußball-Anhänger bemerken dies auf ganz eigene Weise: nicht mehr rollt der Ball, nicht mehr können die Fans ihre Idole anfeuern, Siege gemeinsam bejubeln, Niederlagen gemeinsam verarbeiten. Ja, wir müssen derzeit auch darauf verzichten, unsere Liebsten und Besten zu Grabe zu tragen, wie wir es gewohnt waren. Das ist leider notwendig und deshalb noch trauriger. Sicherlich wäre die Menschenschar unübersehbar gewesen, die unseren Ludwig „Lulu“ Wagenpfeil in diesen Tagen die letzte Ehre erwiesen hätte. Am Montag ist der große Mann des SSV Jahn im Alter von 87 Jahren von uns gegangen. Groß war „Lulu“ nicht nur rein körperlich, sondern auch in seiner stets vorbildlichen und sportlichen Haltung sowie der unverbrüchlichen Liebe zu unserem SSV Jahn. Geboren im Juni 1932 als Sohn des Regensburger Sportreporter-Pioniers Willi Wagenpfeil und unweit des Jahnstadions aufgewachsen, wurde Ludwig Wagenpfeil schon im Kindesalter vom Jahn Fieber angesteckt, war seit 1943 nun fast 77 Jahre lang ununterbrochen Mitglied des SSV Jahn. Schnell gehörte das Abwehrtalent zum erweiterten Kader der Jahnelf und schaffte es Anfang der 1950er Jahre ins Team unter Trainer Franz „Bimbo“ Binder. Es wäre sicherlich eine große Oberliga-Karriere geworden, hätte nicht ein Trainingsunfall 1952 zu einer schwerwiegenden Knie-Verletzung geführt, die immer wieder aufbrach. So kam es am Ende nur zu drei Einsätzen in der Oberliga-Spielzeit 1956/57. Trainer der Rot-Weißen war damals übrigens der große österreichische Fußball-Pionier Joseph „Pepi“ Uridil.

 

Es sind aber gar nicht die großen Erfolge auf dem Platz, die Anzahl von Spielen oder Toren, die einen „Großen“ ausmachen. Es ist der unermüdliche Einsatz, der dies tut. Und auf diesem Gebiet suchte Ludwig Wagenpfeil seinesgleichen. „Lulu“ war nicht nur immer da, wenn man ihn beim Jahn auf dem Platz brauchte – sei es beim Feldhandball oder auch später wieder im Fußball, wo er noch Mitte der 1960er Jahre im Landesliga-Tor der Rot-Weißen aushalf, aber auch als Schiedsrichter oder Jugendtrainer – sondern auch außen herum. Hier übernahm Ludwig Wagenpfeil vor über 40 Jahren vom großen altinternationalen Fußball-Schiedsrichter Hans Grabler das wichtige Amt des Ehrenratsvorsitzenden. Eine Aufgabe, die er beim Mutter-verein SSV Jahn von 1889 noch lange, nachdem sich die Fußballer im Jahre 2000 längst selbständig gemacht hatten, mit Herzblut ausfüllte.

 

Im Jahre 1995 schlug sicherlich die Stunde, in der „Lulu“ seinem SSV Jahn den größten Dienst erwies. Als sich für das Amt des Vereinspräsidenten kein Kandidat mehr fand, weil die Lage des in Richtung Landesliga taumelnden Jahn ausweglos erschien, erhielt Ludwig Wagenpfeil, der inzwischen als stets zuverlässiger Kassier bei der Volksbank Regensburg in den Ruhestand getreten war, als 2. Vorstand den Jahn am Leben. Ohne ihn und seine Vorstandskollegen Johanna Steiger und Hans Pflamminger wäre damals der Gang zum Konkursrichter unausweichlich geblieben, seinerzeit wohl ohne Chance auf ein Happy End.  

 

In den letzten Jahren ist es um den langjährigen Jahn Ehrenratsvorsitzenden still geworden, einer der letzten öffentlichen Auftritt erfolgte bei einem „HisTORischen Abend“ im Sommer 2014, als gemeinsam 125 Jahre Jahn gefeiert wurden. Es war für ihn ein letztes großes Treffen mit der Jahn Familie. Zuletzt hat Ludwig Wagenpfeil sein Haus in der Heitzerstraße nicht mehr verlassen können, aufopferungsvoll von seiner langjährigen Gemahlin Annemarie und den Kindern betreut und gepflegt. Alle haben sie das Jahn Gen des Ehepaars Wagenpfeil geerbt.Mit ihnen trauern nun zahllose Anhänger der Rot-Weißen, der Mutterverein SSV Jahn von 1889 und natürlich auch die Jahn Fußballer. Darüber hinaus viele weitere Regensburgerinnen und Regensburger, zum Beispiel auch die Theaterfreunde Regensburg, in deren Vorstand sich der Verstorbene über viele Jahre einbrachte. Was viele Jahn Freunde nicht wissen: „Lulu“, der stets seriöse Banker und tadellose Sportsmann, war ein begeisterter Theaterfreund und nach einer gefühlvollen Arie in Oper oder Operette stets der erste, der in seiner Loge aufsprang und die atemlose Stille mit einem lauten „Bravo“ auflöste. So wollen wir es, da wir ihn leider nicht auf seinem letzten Weg begleiten können, auch heute beim Blick auf das Leben des Ludwig Wagenpfeil halten: „Bravo, Lulu!“   

In der Landesliga-Saison 1965/66 schnürte „Lulu“ als Torwart (unverkennbar vorne in der Mitte) noch einmal die Schuhe für die Jahnelf. Wieder hieß der Trainer Franz Binder (hinten links), einstiger 1000-Tore-Mann von Rapid Wien (Foto: Jahn Archiv).

Im Jahre 2001 stellten sich (von links) Teammanager Klaus Sturm, die ehemalige Kassiererin und „gute Jahn Seele“ Johanna Steiger, Geschäftsstellenleiterin Hildegard Gabler und der Ehrenratsvorsitzende Ludwig „Lulu“ Wagenpfeil für einen Bildband des Jahn Archivars dem Fotografen (Foto: Jahn Archiv).

Im Juli 2014 war Ludwig Wagenpfeil mit seiner Gemahlin Annemarie noch einmal zu Gast beim „HisTORischen Abend“ in der Jahn Tribüne. Über das gelungene Treffen der Jahn Familie freuten sich auch der langjährige Abteilungsleiter der Jahn Kegler, Hans Kirchberger (links), und Jahn Archivar Wolfgang Otto (Foto: Jahn Archiv).

Der 20-jährige Ludwig Wagenpfeil (links) mit seinem Mannschaftskapitän Alfred Popp, Linzenzspielerleiter Georg Zellner und JahnTrainer Franz „Bimbo“ Binder bei einer Besprechung in der Saison 1952/53 (Foto: Jahn Archiv).

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