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04.03.2021 Auf einen Blick Jahnschmiede Florian Fraunholz

Eine allumfassende Ausbildung

Max Vogl im Interview

Neben einer optimalen fußballerischen Ausbildung strebt der SSV Jahn auch eine bestmögliche Vorbereitung auf alle Themenfelder abseits des Platzes an. Max Vogl, pädagogischer Leiter der Jahnschmiede, stellt im Interview die verschiedenen Aspekte der Zusatzausbildung des Regensburger Nachwuchsleistungszentrums vor.

 

Was verbirgt sich hinter der Zusatzausbildung der Jahnschmiede?

 

MV: Die Zusatzausbildung beschreibt allgemein ausgedrückt unsere Ausbildungsinhalte abseits des Platzes, welche an die Spieler sukzessive herangetragen werden. Als Nachwuchsleistungszentrum haben wir selbstverständlich viele konditionelle, technische und taktische Themenfelder. Darüber hinaus werden den Spielern weitere Inhalte angeboten, welche wir in der Zusatzausbildung zusammengefasst haben. Dieser Oberbegriff wird in vier Unterkategorien unterteilt. Ein Teilbereich ist die Psychologie. Mit Hilfe von Workshops und Vorträgen versuchen wir, die mentale Fitness, die Druckresistenz und die Motivation der Spieler zu steigern. Die zweite Kategorie ist die Pädagogik. In diesem Themenfeld geht es vorrangig darum, die Spieler für schulische und berufliche Themenfelder zu sensibilisieren und sie beispielsweise beim effektiven Lernen, der Erstellung überzeugender Bewerbungsmappen oder ähnlichen Vorhaben zu unterstützen. An dritter Stelle ist der Bereich Gesundheit zu nennen. Wir glauben, dass es abseits des Platzes viele Themen wie beispielsweise Ernährung oder Regeneration gibt, welche die Spieler und ihren Werdegang wertvoll unterstützen können. Die vierte Kategorie ist Mentalität und Bewegung. Hier stehen die Mentalität, die Leitlinien des SSV Jahn sowie die Art und Weise der Selbstpräsentation im Vordergrund. In diesem Gebiet werden keine zusätzlichen Vorträge und Workshops angeboten, sondern es geht darum, dass beispielsweise vor, während und nach den Trainingseinheiten unsere Leitlinien gelten und diese von Betreuern, Trainern und Spielern ohne Ausnahme (vor-)gelebt werden.

 

Warum integriert ein Nachwuchsleistungszentrum eine derartige Ausbildung?

 

MV: Wir wollen uns nicht ausschließlich als Verein verstehen, der junge Spieler „nur“ fußballerisch ausbildet und sie ausschließlich mit dieser Art an Inhalten auf das spätere Leben vorbereitet. Wir sind der festen Überzeugung, dass zu einer umfassenden Förderung mehr dazugehört. Neben unserer fußballerischen Schwerpunktsetzung verstehen wir uns auch als eine Säule der Ausbildung junger Leute. Zu den beeinflussenden Faktoren dieser Entwicklung zählen die Eltern, die Schule, der soziale Hintergrund und auch wir als Fußballverein. Wir stellen uns dieser Verantwortung und wollen unseren Beitrag dazu leisten, dass die jungen Spieler möglichst gut auf alle zukünftigen Aufgaben und Lebensbereiche vorbereitet sind. Hinzu kommt, dass wir der Meinung sind, dass sich Optimierungen in den Bereichen Gesundheit, Psychologie und Pädagogik auch sehr positiv auf die fußballerische Leistung unserer Spieler auswirken. Nehmen wir das Beispiel Psychologie. Wenn unsere Spieler stressresistenter sind oder beispielsweise eine höhere Leistungsmotivation durch clevere Zielsetzungen an den Tag legen, dann wird dieser Umstand sicherlich am Spieltag zu Tage treten. Wenn wir zudem die Spieler pädagogisch unterstützen, beispielsweise bei der intensiven Vorbereitung auf Abschlussprüfungen oder einem Training im Bereich des effektiven Lernens, dann werden sie schulische Aufgaben zukünftig leichter meistern und sich somit gleichzeitig auch besser auf den sportlichen Wettkampf fokussieren können. Bei der Gesundheit ist dieser Umstand meiner Meinung nach noch deutlicher nachvollziehbar. Wenn wir unsere Spieler schulen sich richtig zu ernähren, dann ist die körperliche Entwicklung bestens unterstützt und wird sich dementsprechend auch fortlaufend positiv darstellen. In diesen Bereichen sieht man also, dass wir uns der Verantwortung stellen, die Spieler der Jahnschmiede voll umfänglich auszubilden.

 

Wie wurden die Themen und Inhalte ausgewählt?

 

MV: Der Ausgangspunkt ist in diesem Zusammenhang die DFL, die seit vielen Jahren einfordert, dass Nachwuchsleistungszentren die Spieler nicht nur bezüglich des Fußballs aus- und weiterbilden. Hierzu schreibt die DFL die Bereiche Anti-Rassismus, Spielmanipulation und Anti-Doping vor. Wir wollen dieses Begriffsgebiet deutlich ausbauen, weil wir überzeugt sind, dass viele Themen existieren, die ebenfalls in den Fokus gerückt werden sollten. Die Bestandteile der Zusatzausbildung sind das Gemeinschaftsprodukt aller Mitarbeiter der Jahnschmiede. Es gab viele Gesprächsrunden, bei denen wir uns gegenseitig ausgetauscht haben und jeder seine Erfahrungen aus dem Bereich Fußball und anderen Sektoren miteingebracht hat. Das Resultat war ein gewisser Konsens, der den Spielern in Zukunft weiterhelfen soll. Dies findet sich nun in unserer Aufstellung wieder.

 

Wie setzen Sie die Themen um und wer setzt sie um?

 

MV: Viele Workshops und Vorträge werden von Mitarbeitern der Jahnschmiede organisiert und geleitet. Wir haben beispielsweise Angestellte mit einem psychologischen Berufshintergrund, Lehrer sowie Mitarbeiter mit dem Studienschwerpunkt Ernährung. Somit ist eine gewisse interne Expertise vorhanden. Darüber hinaus gibt es auch viele externe Referenten aus unserem Netzwerk, welche uns in verschiedenen Themenbereichen unterstützen, zu denen wir einen erschwerten Zugang haben. Beispiele hierfür sind die Unterstützer aus dem Bereich der beruflichen Ausbildung, deren Inhalte beispielsweise Aspekte wie Bewerbungsprozesse oder Lebensläufe sind. Wir haben viele unserer Veranstaltungen als Workshops und Vorträge geplant und uns ist es dabei wichtig, dass wir die Teilnehmer mitnehmen. In den Workshops können die Spieler ihre eigenen Erfahrungen, Eindrücke und Zielsetzungen einbringen. Im Gegenzug haben wir folglich die Möglichkeit in einer großen Runde effektive sowie gewinnbringende Herangehensweisen und Strategien zu finden. In der aktuellen Lage ist es natürlich schwer solche Workshops und Vorträge zu organisieren. Glücklicherweise gibt es viele Themen, die man auch über Onlineworkshops und –vorträge realisieren kann. Da der weitere Verlauf der Pandemie aktuell nicht erkennbar ist, werden seit Mitte November viele dieser Veranstaltungen im Onlineformat realisiert.

Foto: Janne

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