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19.09.2021 Auf einen Blick Profis Jahnschmiede Fabian Roßmann

Von der U13 zu den Profis

Der Weg von Björn Zempelin

Ein richtiger Neuzugang ist Björn Zempelin nicht. Schon vergangene Saison gehörte er fest zur Trainingsgruppe der Jahn Profis. Doch in diesem Sommer hat das Eigengewächs seinen ersten Profivertrag unterschrieben und ist nun ganz offiziell Teil des Zweitliga-Teams des SSV Jahn. Grund genug, den gebürtigen Regensburger wie alle weiteren Neuzugänge vorzustellen.

 

Anfang Mai, 32. Spieltag in der 2. Bundesliga. Der SSV Jahn Regensburg ist zu Gast beim VfL Bochum und es läuft die 84. Minute. Das Spiel ist gelaufen, die Emotionen runtergekühlt. 1:5 steht es aus Regensburger Sicht, die letzten nötigen Punkte für den Klassenerhalt können an diesem Sonntag beim späteren Bundesliga-Aufsteiger nicht geholt werden. Und doch beginnt ein Herz in diesem Moment etwas heftiger zu schlagen. Das von Björn Zempelin. Er steht am Spielfeldrand an der Seite von Jann George. Beide werden eingewechselt. Für George ist es sein 185. Spiel in der 2. Bundesliga, etwas (fast) ganz Normales. Für Zempelin dagegen öffnet sich eine neue Welt, es ist sein erster Einsatz im deutschen Profifußball.

 

Es war eine komische Gefühlswelt für Zempelin. Schließlich waren die Mitspieler ob des Ergebnisses bedient. Und dennoch konnte er diesen Moment auch ein Stück weit genießen. „Es war ein richtig heißer Tag“, erinnert er sich. Im Spiel sei von Beginn an allerdings der Wurm drin gewesen. Weil das Spiel so deutlich war, hatte der Youngster dann auch die Hoffnung, dass er reinkommen könnte. „Als ich dann wirklich gerufen wurde, war es ein super Gefühl“, blickt er zurück. „Einfach killen“, habe ihm Chef-Trainer Mersad Selimbegovic mit auf den Weg gegeben. Heißt: Einfach spielen, keine verrückten Dinge machen.

 

Weil zu diesem Zeitpunkt keine Zuschauer zugelassen waren – nur die Rufe von ein paar vereinzelten Bochumer Fans schafften den Weg von außerhalb des Stadions ins Innere – konnte Zempelin noch keine richtige Profifußball-Atmosphäre aufschnappen in diesem Moment. „Aber ich habe mich trotzdem gefreut, dass ich das erste Mal spielen durfte“, sagt er. Und seine Mitspieler haben sich mit ihm gefreut. „Auch wenn die Stimmung wegen des Ergebnisses entsprechend schlecht war, haben mir nach dem Spiel alle zu meinem Debüt gratuliert“, sagt er.

 

Erster Profivertrag? "Ein überragendes Gefühl"

 

Seit dieser Saison ist Zempelin auch ganz offiziell Profi bei der Jahnelf. In der Vorbereitung 2020 durfte er, weil es viele Verletzte im Profikader gab, immer wieder oben in Testspielen und Trainingseinheiten dabei sein. Mit der Zeit wurde dies immer stetiger, bis er irgendwann fest Teil der Profi-Trainingsgruppe war. Im Sommer hat er schließlich seinen ersten Profivertrag unterschrieben. „Das ist ein überragendes Gefühl. Dass es noch dazu bei meinem Heimatverein ist, macht mich umso stolzer. Das ist das Beste, was mir fußballerisch passieren konnte“, sagt Zempelin.

 

Im ersten Spiel dieser Saison in Darmstadt wurde er wieder kurz vor Schluss eingewechselt. Für manche nur ein kleiner Einsatz, für ihn auch ein Zeichen, dass der Trainer mit seiner Vorbereitung offenbar zufrieden war. Zempelin hatte sich einiges vorgenommen im Sommer, hat die aufgetragenen Laufpläne absolviert – „und manchmal auch noch ein paar Meter mehr“, wie er sagt. Sein Ziel: Topfit in die Vorbereitung gehen, um dem harten Konkurrenzkampf im zentralen Mittelfeld der Jahnelf gewachsen zu sein.

 

Lernen von den Mitspielern

 

Denn dieser ist wahrlich groß. Bene Gimber, Max Besuschkow und Chris Moritz waren schon da, mit Carlo Boukhalfa ist im Sommer noch ein Konkurrent dazu gekommen. „Ich finde es gut, dass wir auf der Position so gut aufgestellt sind. Ich bin noch ein sehr junger Spieler, ich kann und muss noch vieles lernen. Da ist es gut, solche Spieler im Team zu haben, von denen ich mir einiges abschauen kann“, sagt Zempelin. Von der Spielweise her würde er sich am ehesten mit Gimber vergleichen – „ein eher defensiver, zweikampfstarker Sechser, auch wenn er in dieser Saison auch seine Offensivqualitäten entdeckt hat“, wie Zempelin mit einem Augenzwinkern sagt. Bei Gimber kann’s im Mittelfeld schon mal rumpeln. „Das kann bei mir auch passieren, wenn es sein muss“, sagt Zempelin, der positionstechnisch immer schon im zentralen Mittelfeld daheim ist.

 

Zempelin wurde über Jahre in der Jahnschmiede, dem Leistungszentrum des SSV Jahn, ausgebildet. Seit über neun Jahren, genauer seit der U13, ist er im Verein. Als der junge Björn 2012 zum SSV Jahn kam, war der Verein zwar auch Zweitligist, mit dem Jahn von heute in vielen Bereichen aber nicht zu vergleichen. Zempelin kann sich noch daran erinnern, wie in Wintermonaten aufgrund des fehlenden Kunstrasenplatzes auf einem teilweise gefrorenen Hockeyfeld trainiert wurde. „Das war, speziell mit Blick auf die Verletzungsgefahr, sicher nicht optimal. Aber wir haben gelernt, auch solche Bedingungen anzunehmen“, sagt Zempelin. Und das hat seiner Meinung nach den Jahn Nachwuchs auch immer ausgezeichnet: „Durch unsere Einstellung und Mentalität konnten wir mit größeren Leistungszentren mithalten, auch wenn dort die Bedingungen zum Teil deutlich besser waren.“

 

Heute geht Zempelin tagtäglich in das neue Funktionsgebäude der Jahn Profis mit allem, was man sich als Fußballer nur so wünschen kann. „Da muss ich mich tatsächlich manchmal zwicken, diese Entwicklung über die vergangenen Jahre ist schon Wahnsinn“, sagt er. Auch im Nachwuchs hat er in über die Zeit natürlich mitbekommen, wie rundum die Plätze erneuert und die Bedingungen verbessert wurden. „Die Entwicklung des Vereins freut mich sehr, sie noch dazu hautnah mitzuerleben, ist super für mich.“

 

Die Anfänge 2012 und das Vorbild Oli Hein

 

Als Zempelin 2012 zum Jahn kam, begann gerade eine andere große Jahn Karriere richtig Fahrt aufzunehmen. Die von Oli Hein, einem der letzten Spieler, die den Sprung von der Jahnschmiede in die Profimannschaft geschafft haben. „Oli war natürlich immer ein Stück weit Vorbild für uns. Er war der Spieler, mit dessen Weg wir uns am meisten identifizieren konnten“, erinnert sich Zempelin. Dass er vergangene Saison noch mit Hein zusammenspielen durfte, war deshalb durchaus besonders. „Vor allem, weil Oli auch einfach ein super Typ ist.“ Es ähnlich wie Hein zu machen, wäre für Zempelin ein Traum. „Das wäre natürlich schön, gleichwohl weiß ich natürlich, dass es fast unmöglich ist, eine solche Karriere wie Oli noch einmal hinzulegen.“ Wenn sich die Chance dazu ergibt, würde er aber jedenfalls sehr gerne so lange wie möglich für die Jahnelf spielen.

 

In der Kabine der Profis ist er aktuell der Jüngste. Da gilt es, zum Beispiel beim Aufräumen nach den Einheiten, besonders anzupacken. Spielpraxis sammelt Zemeplin derzeit auch immer wieder in der U21. Wenn er dort spielt, „dann ist es mein Anspruch, dass ich vorangehe und Leistungsträger bin“, sagt er. Das habe bislang noch nicht immer ganz funktioniert, merkt er selbstkritisch an. Es ist auch in der U21 nun eine Rolle, die er auch neu lernen muss. Er ist nun der Profi, der von oben kommt und auf den mit anderen Augen geblickt wird.

 

Bei den Profis ist für Zempelin derzeit noch jeder Einsatz ein Erfolg. Nach und nach hat er gelernt, sich auf diesem Niveau zu behaupten. Mit dem nötigen Respekt vor den Mitspielern und der Aufgabe, aber keinesfalls mit Angst oder Ehrfurcht. „Am Ende geht es schon darum, dass man sich auch durchsetzen muss“, weiß er. Die großen Unterschiede zur U21 sind dabei laut ihm die höhere individuelle Qualität der Spieler, die höhere Geschwindigkeit – physisch und mental. „Ich musste mich körperlich und im Kopf anpassen“, sagt Zempelin. Dieser Prozess sei auch noch lange nicht abgeschlossen: „Ich muss noch schneller sein in meinen Abläufen, bevor ich an den Ball komme, schon wissen, was ich als nächstes mache, und auch noch präziser in meinem Spiel werden.“

 

Ausbildung und Studium

 

Fußball ist aber nicht die einzige Karte, auf die der Mittelfeldspieler setzt. Er hat bereits eine abgeschlossene Ausbildung als Industriekaufmann in der Tasche, im Oktober beginnt er zudem ein Fernstudium in Psychologie. „Dieses Thema interessiert mich schon, seit ich jung bin. Ich schaue gerne Dokus zu diesem Thema. Ich finde super interessant, was zwischenmenschlich passiert.“ Das Studium macht er über eine Fernuni, um sich die Zeiten rund um die fußballerischen Termine frei einteilen zu können.

 

Was Zempelin von den meisten Fußballprofis unterscheidet: Er nutzt die sozialen Netzwerke nicht. „Ich bin, als die sozialen Netzwerke aufkamen, nicht gleich auf den Zug aufgesprungen und vermisse dadurch auch nichts. Deshalb habe ich das so beibehalten“, sagt er. Stattdessen unternehme er gerne etwas mit Freunden oder liest auch mal ein Buch, aktuell ist es „Das Leben des Vernon Subutex“, ein Roman über einen Obdachlosen in Paris.

 

Zurück auf dem Rasen: Ein konkretes Ziel, wie oft er im Kader stehen oder auf wie viele Einsätze er kommen will, hat Zempelin sich vor dieser Saison nicht gesetzt: „Mein erstes Ziel ist es, dass ich mich persönlich weiterentwickle.“ Wobei er beim Gespräch in einer Loge im Jahnstadion Regensburg kein Geheimnis daraus macht, dass es ihn freuen würde, wenn er nach zwei Zweitliga-Einsätzen auf fremdem Platz auch da unten, auf dem Rasen des eigenen Stadions und vor den eigenen Fans spielen dürfte. Für Björn Zempelin wäre das das nächste Highlight. Dass er dafür einfach weiter hart arbeiten und Vollgas geben muss, weiß das bodenständige und sympathische Eigengewächs der Jahnelf sehr gut einzuschätzen.

 

 

Björn Zempelin bei seinem zweiten Zweitliga-Einsatz für die Jahnelf in Darmstadt. (Foto: Janne)

Björn Zempelin bei seinem Profidebüt für die Jahnelf in Bochum. (Foto: Gatzka)

Foto: Janne

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