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Der (vorerst) geplatzte WM-Traum

Die schmerzliche Geschichte von Scott Kennedy
· Profis ·

Scott Kennedy hat es in seiner Laufbahn weit gebracht. 2015 begann der Kanadier in Deutschland in der sechstklassigen Landesliga. Inzwischen ist er Stammspieler beim SSV Jahn und kanadischer Nationalspieler. Der Traum von der anstehenden Weltmeisterschaft platzte für ihn allerdings kurz vor dem Turnier. Er zog sich eine schwere Schulterverletzung (Schultereckgelenkssprengung) zu.

Es läuft die vierte Spielminute des Heimspiels des SSV Jahn Regensburg gegen den F.C. Hansa Rostock. Die Gäste greifen über die rechte Seite an, die Flanke kommt in den Strafraum, Scott Kennedy will den Ball unbedrängt aus dem Strafraum köpfen. Da rauscht von Kenndys rechter Seite Svante Ingelsson heran, ohne Chance auf den Ball. Es kracht, Kennedy geht zu Boden, Ingelsson fällt noch auf den Jahn Verteidiger. Kennedy hält sich sofort seine rechte Schulter, den Schmerz sieht man in seinem Gesichtsausdruck. Der Kanadier muss raus. Das war’s. Nicht nur für diese Partie, sondern auch für die in wenigen Wochen beginnende Weltmeisterschaft. Erstmals seit 1986 und allgemein erst zum zweiten Mal in der Historie nimmt Kanada am größten Fußballwettbewerb der Welt teil. Aber ohne Scott Kennedy. Es ist ein tragischer Moment für den 25-Jährigen. Kennedy hatte diese Weltmeisterschaft schon lange im Fokus und in seinen Gedanken. Seine Eltern hatten schon Tickets für die Spiele. Es wäre eine große Ehre für Kennedy gewesen, sein Land gegen die Besten der Welt zu repräsentieren. Als er gegen Suriname sein Länderspieldebüt feierte, hatte er trotz Geisterkulisse Gänsehaut. „Ich habe die Nationalhymne so laut wie möglich gesungen. Gerade an der Grenze, dass es für die anderen nicht peinlich war“, sagt er und lacht. Dass er nun nicht dabei sein kann, trifft ihn hart.

"Ich habe die Nationalhymne so laut wie möglich gesungen. Gerade an der Grenze, dass es für die anderen nicht peinlich war."

Scott Kennedy saß im Winter 2015 in seinem Zimmer. Es lag im Dachgeschoss des Hauses von Rainer Hörgl, der Kennedy ein halbes Jahr zuvor aus Kanada nach Deutschland geholt hatte, damit dieser hier beim Fußball sein Glück versuchen konnte. Kennedy war 18 Jahre alt und sah in den sozialen Medien, wie seine damalige Freundin und seine Freunde in Kanada ihr Leben als Studenten genossen, wie sie Party machten und etwas erlebten. Und was machte er? Er war alleine hier in Deutschland, um in der sechsten Liga Fußball zu spielen. Konnte das sein Ernst sein? Kennedy packte das Heimweh, er war drauf und dran das Abenteuer Deutschland nach nur sechs Monaten wieder zu beenden. Zwei Koffer hatte er schon gepackt. Als die Winterpause vorüber war und in Kanada alle wieder zurück zur Arbeit und zur Schule gingen, überlegte er, was er jetzt tun würde und sagte sich: Nein, du kannst noch nicht wieder zurück. Du bist in Deutschland noch nicht fertig.

Mit 18 in ein neues Land

Es war ein mutiger Schritt, den der großgewachsene Kanadier im Sommer 2015 gegangen ist. Mit seiner kanadischen Fußballmannschaft, trainiert vom Deutschen Thomas Niendorf, reiste er für ein paar Testspiele nach Deutschland. Um sich mit guten Teams zu messen, aber auch um auf sich aufmerksam machen zu können. Niendorf sagte einigen seiner Bekannten aus dem Fußball Bescheid, sie sollten sich seine Talente doch mal anschauen. Einer davon war Rainer Hörgl. Dieser kam nach einem der Spiele zu ihm und fragte, was es mit dem großen, schlaksigen Innenverteidiger auf sich habe. Ihm gefiel, was er von Kennedy sah. Und er überzeugte Kennedy davon, es in Deutschland zu probieren, er holte ihn zum SB Chiemgau Traunstein, wo er zu dieser Zeit technischer Direktor war. Landesliga. Für Kennedy war es zunächst ein Abenteuer. „Als ich nach Deutschland gekommen bin, hatte ich nicht gleich im Sinn, dass ich Profi werde. Ich wollte mich einfach austesten und schauen, wie hoch ich kommen kann. Wenn es die Landesliga oder Bayernliga gewesen wäre, dann wäre das auch okay gewesen. Dann wäre ich heute schon wieder zurück in Kanada.“

Aber Kennedy ist nicht zurück in Kanada. Er ist nach wie vor in Deutschland und inzwischen nicht nur Fußballprofi beim SSV Jahn Regensburg, sondern auch Nationalspieler für sein Heimatland. Auch wenn die offizielle Nominierung noch ausstand, fieberte Kennedy dem Turnier schon mit großer Vorfreude entgegen. Er wollte diesen Winter Teil der erst zweiten Mannschaft sein, die Kanada bei einer Weltmeisterschaft vertritt. Erstmals seit 1986 hat sich die Nation für das größte Turnier des Weltfußballs qualifiziert. Auch dank Kennedy, der in der WM-Qualifikation alle seine bisherigen acht Länderspiele bestritten hat.

"Ich habe immer wieder ins Stadion geblickt. Diese Freude bei den Menschen zu sehen, dass der kanadische Fußball zurück auf der Weltbühne ist, das war einfach nur schön." (Scott Kennedy über den Moment der WM-Qualifikation)

Wenn Scott Kennedy heute an den Moment denkt, als sich Kanada für die WM qualifiziert hat, kommt ihm als erster Gedanke in den Kopf, dass es sehr kalt war. Es war Ende März in Toronto, Kanada traf auf Jamaica und konnte mit einem Sieg alles klar machen. Es hatte knapp unter null Grad, aber die Lage Torontos direkt am Ontariosee und der Wind ließen es viel kälter wirken. Kennedy, geboren in Calgary, macht Kälte nichts aus. Er war einer von zwei Spielern, der ohne Handschuhe begann. Irgendwann wurde es aber auch Kennedy, der die Kälte lieber mag als die Hitze im Sommer, zu kalt und in der Halbzeit zog er sich doch die Handschuhe an. Zu dem Zeitpunkt lag Kanada schon 2:0 in Führung und damit auf Kurs Qualifikation. Kennedy war mit der Führung im Rücken zuversichtlich und genoss den Moment vor knapp 30.000 Zuschauern: „Ich habe immer wieder ins Stadion geblickt. Diese Freude bei den Menschen zu sehen, dass der kanadische Fußball zurück auf der Weltbühne ist, das war einfach nur schön.“

Die kanadischen Kinder haben nun Fußball-Vorbilder

Wenn Kennedy über das Erreichte spricht, dann schwingt in jedem Wort eine gehörige Portion Stolz mit. Seine Generation hat für Kinder das geschafft, was er in seiner Kindheit nicht hatte: kanadische Fußball-Idole. „Die Kinder können jetzt sagen, sie wollen der nächste Alphonso Davis, Jonathan David oder vielleicht auch Scott Kennedy werden“, sagt er. Als er Ende Oktober im Jahnstadion Regensburg sitzt, dann fühlt es sich für ihn unwirklich an, dass es keine 30 Tage mehr sind bis zum ersten WM-Spiel. Wenn er auf Social Media unterwegs ist, werden ihm immer wieder Countdowns angezeigt: „Es ist komisch, weil ich aktuell noch voll im Modus hier in Regensburg bin“, sagte er zu diesem Zeitpunkt. Er glaubte, ohnehin erst nach der WM alles wirklich realisieren zu können. Nun ist der Traum geplatzt.

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